„Neu(es) denken- Das Städtedreieck am Saalebogen im Wandel“

„Neu(es) denken- Das Städtedreieck am Saalebogen im Wandel“

Altstadt von Rudolstadt, Foto: Sebastian Heuchel. Creative Commons License LogoDieses Bild steht unter einer Creative Commons Lizenz.

Filmreihe stößt Diskussion über zukünftige Entwicklung des Städtedreiecks an

„Neu(es) denken- Das Städtedreieck am Saalebogen im Wandel“ lautete der Titel einer Filmreihe die der „Dreiklang“ gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen im Herbst organisierte. Zu sehen bekamen die ZuschauerInnen drei Streifen der Berliner Filmemacher Holger Lauinger und Daniel Kunle.

Nicht mehr/Noch nicht, Neuland und Wir könnten auch anders sind innerhalb der vergangenen zehn Jahre entstanden und bauen thematisch aufeinander auf. Sie beschreiben in unterschiedlicher Weise den, teils radikalen gesellschaftlichen Umbruch, insbesondere innerhalb Ostdeutschlands.

Deindustrialisierung, Funktionsverlust, Arbeitslosigkeit, Leerstand, Verschuldung,  Perspektivlosigkeit und Überflüssigkeit sind Vokabeln, die diesen, in der neueren Geschichte einmaligen, Transformationsprozess begleiten. Nicht mehr/Noch nicht zeigt in eindrucksvollen Bildern wie sichtbar die Veränderungen in vielen Städten bereits sind.

Doch ist diese Entwicklung per se schlecht? Nein! Denn die Auflösung der traditionellen europäischen Stadt des 19. und 20. Jahrhunderts eröffnet den Bürgerinnen und Bürgern neue Freiräume. Es entstehen Lücken für die neue Funktionen und Aufgaben gefunden werden können. Experimentier-, Spielräume die die Kreativität der StadtbewohnerInnen anregen und beleben. Die Hühnerfarm auf einer Industriebrache, die innerstädtischen Bürgergärten in denen frisches Obst und Gemüse reift aber auch neue Erholungsräume und Kunstinstallationen bereichern die Städte und Gemeinden. Sie erhöhen die Lebensqualität in den Kommunen nachhaltig. Architekturkritiker Wolfgang Kil beschreibt diesen Zustand als „Luxus der Leere“.

Neuland lenkt den Blick bereits stärker auf die ländlichen Räume. Im Mittelpunkt stehen Akteure, die sich den Herausforderungen des Transformationsprozesses stellen. Der Film zeigt, wie Menschen mit ihrer ganz individuellen Lebenssituation umgehen und mittels persönlichen Engagements Neues schaffen. Er beweist, ohne zu romantisieren, dass es auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch Pioniere gibt, ja braucht, um Neuland zu betreten und den gesellschaftlichen Wandlungsprozess aktiv mitzugestalten. Dass dabei auch mal bestehende Grenzen überschritten werden müssen und der Übergang zur Illegalität fließend ist, versteht sich von selbst.

Wir könnten auch anders stellt die Qualität von Wachstum in Frage. Erhöht sich unsere Lebensqualität, wenn riesige Konzerne flächendeckend Ackerland kaufen, um Lebensmittel industriell herzustellen oder Stallanlagen für 250.000 Ferkel errichten? Ist es gut für Mensch und Natur, wenn große Chemiekonzerne gentechnisch veränderte Organismen in unserer Nachbarschaft testen? Passen auf Wachstum ausgelegte Strukturen und Standards in schrumpfende Regionen? Ist eine dezentrale Abwasserklärung oder die kleine Dorfschule nicht vielleicht nachhaltiger als teure Kläranlagen oder Großschulen?

Der Film macht zudem die Konfliktlinien zwischen staatlicher Organisation und Zivilgesellschaft auf und führt dem Betrachter schonungslos vor Augen welche gesellschaftlichen Spannungsfelder in Deutschland existieren. Wie können sich über Jahrzehnte rechtsterroristische Strukturen etablieren und Neonazis mordend durch Deutschland ziehen, obwohl laut Verfassungsschutz von rechts „keine Gefährdung“ ausgeht?

Welche Chancen ergeben sich in einer „Postwachstumsgesellschaft“? Eine abschließende Antwort auf diese Frage gibt der Film bewusst nicht. Vielmehr wird aufgezeigt, dass auch eine vom Wachstumsparadigma losgelöste Lebensweise möglich ist und womöglich sogar mehr Lebensqualität verspricht. Darüber hinaus wird deutlich welche Bedeutung eine aktive Zivilgesellschaft für das Funktionieren des sozialen Zusammenlebens in einer modernen Demokratie hat.

Für die Filmvorführungen wurden ganz bewusst „gefährdete Orte“ im Städtedreieck ausgewählt. Orte die zur Zeit keiner permanenten Nutzung unterliegen (Villa Bergfried Saalfeld), von Leerstand bedroht sind (Gymnasium Bad Blankenburg) oder deren Existenz bis zuletzt zur Disposition stand (Saalgärten Rudolstadt).

Das Städtedreieck am Saalebogen befindet sich im Wandel. Die Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Wirtschaft nach Konzepten und Ideen zu suchen, wie dieser Wandel nachhaltig gestaltet werden kann.

Wir freuen uns auf ihr Engagement, getreu dem Motto: Ich tu was!

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