Wo die Kultur stirbt, beginnt die Barbarei

Wo die Kultur stirbt, beginnt die Barbarei

Quelle: Michael Loeper_pixelio.de.
 

„Wo die Kultur stirbt, beginnt die Barbarei" Das Zitat ist stark und plakativ, deshalb wird der Satz auch gern und oft zitiert – von Politikern ebenso wie Kulturschaffenden. Aber er bedarf der Interpretation, denn er stimmt ebenso, wenn statt der Kultur etwas anderes stirbt: etwa Freiheit, Toleranz oder Liebe.  Was bedeutet „Kultur“ konkret, wenn Kulturpolitiker davon reden? Geht es im Kern um Bildung, um Vermittlung von dem, was in europäischen Nachbarstaaten „Civilisation“ heißt?

 

Kultur: Ja, bitte. Aber welche?

Der Begriff „Kultur“ wird inflationär verwandt, jede und jeder kann sich darauf berufen: Unternehmens- und Esskultur, Sprachkultur oder sogar „Müllkultur“.  Sie hat auch im politischen Raum an Macht gewonnen: In den alten Bundesländern wuchsen die Kultusministerien vor rund 40 Jahren zumeist aus den Innenministerien heraus, seit 1998 gibt es - im föderal organisierten Staat - einen bundesdeutschen Kulturstaatsminister, seit 2001 auch eine Kulturstiftung des Bundes.

Auch historisch ist die besondere Bedeutung der Kultur verankert, schließlich versteht sich die Bundesrepublik als „Kulturnation“ und Thüringen dezidiert als „Kulturland“.

Aber was müssen Kultusminister tun und was lassen? Welche Spielräume bleiben Politikern und Bürgern, wenn die finanzielle Situation so aussieht, dass „Weniger leer ist“ (analog zu einer Plakataktion von „Brot für die Welt“), also äußerst prekär?  

Aufschlussreich sind hier Überlegungen und Ausführungen von Armin Klein, Professor für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft in Ludwigsburg, zusammengefasst in dem Band  „Kulturpolitik“ von 2005.

 Er verweist zum Einen auf die unterschiedliche Entwicklung im Verhältnis zur „Kultur“ in Deutschland, Frankreich oder England. In aller Kürze: Der Lorbeerkranz, die Aureole vom „Wahren, Schönen, Guten“ erhielt der Begriff „Kultur“ nur in Deutschland, und zwar im 18. Jahrhundert; exemplarisch formuliert in Friedrich Gottfried Klopstocks „Gelehrtenrepublik“. Der Begriff Kultur war und ist seither eng mit akademischer Bildung und Exklusivität, mit „Rang und Namen“ verbunden.  In Frankreich (siehe Jean-Jacques Rousseau) und in England (siehe Daniel Defoe) ist die Kultur quer durch alle Klassen untrennbar mit dem politischem Geist, mit der Entwicklung eines bürgerlichen Selbstbewusstseins verbunden – gefasst im Begriff der „Civilisation“. Das deutsche Wort „Zivilisation“ wird dieser umfassenden Bedeutung nicht gerecht. Die „Civilisation“ meint das Erwachen der Bürger zu Selbstbestimmung und Freiheit – und zwar aller Bürger aller Klassen, mit und durch Bildung und Kultur. Aus dieser Geschichte heraus begründet, die damit nur skizziert ist, finden sich im Verhalten deutscher BürgerInnen und PolitikerInnen Spuren dieser unterschiedlichen Auffassungen, exemplarisch formuliert einerseits in diesem Zitat von CDU-Politiker Alfred Dregger (1984): „Selbst in glücklichen Epochen bleiben die Sphäre von Kunst und Politik essentiell geschieden. Geschichtlich war es in der Regel schon das Beste, wenn beide einander in Ruhe ließen.“

 Derselben Partei angehörend, formuliert es Richard von Weizsäcker 1987 ganz anders: „Schon im Begriff Kulturpolitik wird deutlich, wie elementar Kultur und Politik einander durchdringen. Kultur ist kein politikfreier Raum. Kultur ist nicht der Paradiesgarten geistiger und künstlerischer Eliten. Kultur ist Lebensweise des Menschen. Sie ist die Substanz, um die es in der Politik zu gehen hat.“ (Richard v. Weizsäcker, „Das Wunder der europäischen Kultur“). In aller fasst es der amerikanische Ethnologe Philip Bock: „Kultur ist das, was dich zum Fremden macht, wenn du von daheim fort bist.“

 Soviel ist sicher: Die Existenz kultureller Institutionen an sich hat nicht verhindert, dass politische Barbarei sich breit macht. Kultur i.S. v. „die Künste“ sind politisch instrumentalisierbar und korrumpierbar, wie es zuletzt im Nationalsozialismus und im „real existierenden Sozialismus“ der DDR deutlich wurde. Hier eine Kostprobe von Otto Grotewohl aus dem Jahr 1951: „Literatur und bildende Künste sind der Politik untergeordnet, aber es ist klar, dass sie einen starken Einfluss auf die Politik ausüben. Die Idee der Kunst muss der Marschrichtung des politischen Kampfes folgen.“

 Damit sind unterschiedliche politische Interpretationen von „Kultur“ umrissen. Sie bilden den – oft unbewussten - Hintergrund für viele hitzige Debatten und Diskussionen rund um Kultur aller Art, die in ganz Deutschland geführt werden.

 

Die besondere Stellung der Kultur in Thüringen

 Zwei Zitate dazu, entnommen dem Band des Jenaer Historikers Jürgen John zu „Kleinstaaten und Kultur in Thüringen“ von 1994: Zum Einen die Reverenz von Eduard Vehse (Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts) von 1854: „Von Norddeutschland, von Berlin und Weimar aus hat, was immer heut zu Tage von Bildung im Großen und Ganzen unter uns lebt, seinen Ausgang genommen.“ Und dazu eine Betrachtung des in Dresden geborenen Heinrich von Treitschke 1882 (Hofhistoriker und (antisemitischer) politischer Publizist Preußens): „Unter all den Unheilsmächten, welche unserem Volke den Weg zur staatlichen Größe erschwerten, steht die durchaus unpolitische Geschichte dieser Mitte Deutschlands vielleicht obenan. Fast alle anderen deutschen Stämme nahmen doch irgend einmal einen Anlauf nach dem Ziele politischer Macht, die Thüringer niemals. Unsere Cultur verdankt ihnen unsäglich viel, unser Staat gar nichts.“

 John führt aus, dass Thüringen mit seiner so kleinteiligen Struktur um 1900 hinter Sachsen, Berlin und dem Ruhrgebiet zu den stabilsten und prosperierendsten Industrie- und Wirtschaftsregionen in Deutschland zählte, mit internationalen Verbindungen und ohne die Strukturprobleme, die in den schnell wachsenden Ballungszentren entstanden. Aus der Kleinstaaterei resultierte keinesfalls nur ein enges, obrigkeitsstaatliches Herrschen, sondern auch ein flexibles, weltoffenes, pragmatisches Handeln und Denken, verbunden mit dem Bewusstsein, wie wichtig eine umfassende Bildung für den Erhalt und die Entwicklung der Residenzen waren.

Es ist diese Tradition, auf die man in diesem Land zu Recht so stolz verweist – und die doch unter den heutigen Bedingungen so schwer zu bewahren, neu zu interpretieren und zu entwickeln ist.

 

Was also kann, was muss der Staat leisten, was seine Bürger?

 Die Aufgabe von Politik allgemein fasst der Politikwissenschaftler Thomas Meyer zusammen als „Gesamtheit aller Aktivitäten zur Vorbereitung und zur Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zu gute kommender Entscheidungen“ („Was ist Politik“, Opladen 2000, zit. nach A. Klein). Damit steht er der Auffassung des Soziologen Talcot Parsons nah von 1951. Politisches Handeln „…erzeugt diejenigen Regelungen des Zusammenlebens, die für die ganze Gesellschaft verbindlich gelten sollen, d.h. keine Gesellschaft kann ohne ein gewisses Maß solcher verbindlichen Regelungen bestehen. (…) Das Medium der Politik ist Macht, denn sie allein vermag die Durchsetzung des verbindlich Gemachten zu leisten.“ Parsons definiert auch „kulturelles Handeln“, als „die Gesamtheit der Leistungen, die an die Stelle der unmittelbaren Natur die Steuerung des menschlichen Verhaltens und Zusammenlebens in Gesellschaften ersetzen“.

Darin steckt dann auch gleich die Vorstellung von „Normen  und Werten“, die zur Zeit ebenfalls gerne im Zusammenhang mit Kultur (und z.T. in Verbindung mit der Formulierung „in christlich-jüdischer Tradition“) gebraucht werden.

In diesen Zitaten von Parson wird der  pragmatisch- umfassende Ansatz aus dem englischsprachigen Kulturkreis erkennbar.

Politik sollte demnach „ermöglichend“ agieren, den Spielraum abstecken, in dem sich alle Mitglieder möglichst frei bewegen können, sowie Sicherheit nach außen und innen gewährleisten. Sie ist notwendig kompromissorientiert, tolerant und flexibel.

 

Was soll, kann oder darf demnach Kulturpolitik?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Politiker wie z.B. Kurt Biedenkopf betonen die ökonomischen Vorteile. Die Wirtschaft brauche sie, weil sie z.B. kreative Köpfe und Problemlöser braucht. Bei anderen wird „Kultur“ zum bloßen Standortfaktor, gleichfalls aus der ökonomischen Perspektive: Ohne ein Mindestangebot an Kultur- und Bildungseinrichtungen siedeln sich keine Unternehmen an. Manche betonen das ökonomische Potential von Kultur selbst, Stichworte hierfür sind Kulturindustrie oder Kulturtourismus. Andere sehen die soziale Notwendigkeit: Kultur als gesellschaftliche Dialog-Plattform, als Blitzableiter sozialer Spannungen, als eine Art „Schmiermittel“ von Gesellschaft im weitesten Sinn: Als Ort der Reflexion gesellschaftlicher Prozesse, der Selbstvergewisserung und Identitätsfindung, aber auch der Kritik.

Der SPD-Kulturpolitiker und spätere Vorsitzende des Goethe-Instituts Hilmar Hoffmann beschreibt seine Aufgabe sehr nüchten: „Als Kommunalpolitiker sucht man seine Begründungen, wo man sie findet. Soll das aber nicht in Opportunismus ausarten, ist eine überzeugende Grundlage der Arbeit notwendig. Auch ist der Kulturpolitiker nicht jemand, der bestimmte Richtungen fördert, sondern eher jemand, der sie ermöglicht.“ („Kultur für Alle“, 1981)

 

Leitbild oder Leidbild Kulturland Thüringen?

 Wie liest sich vor diesem Hintergrund das frisch formulierte „Leitbild Kulturland Thüringen“ von Christoph Matschie bzw. der Thüringer Landesregierung? Schließlich soll darin nach eigener Angabe der „Weg und die kulturpolitischen Ziele“ für das Land beschrieben sein: „Wir wollen die kulturelle Vielfalt Thüringens erhalten, sichern und weiterentwickeln. Dazu gilt es, Veränderung zu ermöglichen und kulturhistorische Leistung zu bewahren. Diesem Ziel dient auch Artikel 30 der Verfassung des Freistaats Thüringen, wonach Kunst, Kultur und Brauchtum den Schutz und die Förderung durch das Land und seine Gebietskörperschaften genießen.“

Weitere Zitate:

-          Kultur ist Dialog

-          Kultur wandelt sich und muss lebendig fortentwickelt werden.

-          Kultur kann nicht staatlich verordnet werden, aber staatliche Maßnahmen fördern kulturelles Bewusstein und ermöglichen kreatives Schaffen.

-          Kultur ist ein Angebot für alle.

In diesem Stil geht es über sechs Seiten. Wer Details und Konkretes erhoffte, wird enttäuscht. Und auch unter dem letzten Punkt, „Künftige Handlungsfelder“, finden sich nur allgemeine Erklärunge:

-          Die Förderung muss verlässlich und nachhaltig sein.

-          Kultur braucht Räume und Strukturen

-          Kulturelle Potenziale für die Entwicklung des Tourismus sind stärker zu nutzen

Und, ganz besonders vage, der Schlusspunkt: „Kultur biete eine gute Zukunft. (…) Hierbei setzen wir auch auf eine aktive Zivilgesellschaft, auf das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern.“

 

Auf dem Hintergrund des zuvor genannten ergibt sich, dass Christoph Matschie von „Kultur“ eine breite, aus der Gesellschaft kommende und in sie hineinwirkende Vorstellung hat – eher im Sinne einer „civilisation“, jedenfalls nicht elitär.

Auffallend stark wird die Bedeutung des bürgerlichen Engagements, der Zivilgesellschaft betont. Wenn von Sicherung die Rede ist, wird zumeist das Wort „Grundsicherung“ benutzt. Oder darauf verwiesen, dass eine breite Kulturfinanzierung angestrebt sei.

 Kurzum: Die Öffentlichkeit wird eigentlich darauf vorbereitet, dass drastische Kürzungen bevorstehen, dass die Finanzierung ungesichert ist, dass das Überleben kultureller Errungenschaften, welcher Art auch immer, zukünftig weit stärker als bisher auf nicht-staatliches Engagement angewiesen sein wird.

 

Pro und Contra Leitbild

Contra:

Christoph Matschie hat wertvolle Zeit vergeudet seit dem „Kultursymposium“ im Mai 2010. Alle sitzen immer noch mit leeren Händen vor den großen Aufgaben. Das, was nun „Leitbild“ genannt wird, ist eigentlich die Stellenbeschreibung für sein Amt. Als solches ist es allzu „brav“: Es arbeitet artig den Kanon üblicher Thüringer Kulturrhetorik ab, es setzt keine Ausrufezeichen, es vermittelt keinen positiven Impuls, es redet nicht von den akuten Bedrohungen des demografischen Wandels oder Entwicklungen wie der Digitalisierung und Globalisierung. Es fehlt der Blick über den Tellerrand und der Bezug auf die Jugend – wenn schon die Tradition beschworen wird, warum dann nicht die der Weltoffenheit, der geistigen Flexibilität und Neugier auf Neues in den Residenzen? Das war vor 200 Jahren offenbar weiter verbreitet, als heute.

Insgesamt ergibt das Leitbild ein Leidbild des Ministers. Er meidet darin jedes persönliche Wort. Er weicht aus, er kündigt viel an, aber realisiert fast nichts davon. Oder er agiert unberechenbar, grob und brüskierend wie im Fall Hellmut Seemann. Nach Auskunft von Kulturverbandsvertretern ist Herr Matschie auch nur sehr selten im Publikum auszumachen – weder bei Konzerten, noch im Theater oder bei sonstigen kulturellen Veranstaltungen. Matschie beherrscht den Diskurs nicht, er kann sich mit Kulturschaffenden gar nicht auf Augenhöhe unterhalten. Schlimmer noch: Sein Verhalten zeugt von Desinteresse. Matschie wirkt wie einer, dem die Schuhe zu groß sind, in denen er laufen muss. Das alles lässt für eine differenzierte, informierte, klare kulturpolitische Position für die anstehenden harten Verhandlungen um die Verteilung des Etats nichts Gutes erahnen. Matschie macht sich zum bloßen Zuschauer der Entwicklung  (s)eines Konzepts: Kulturverbandsvertreter und Fachleute sollen es in Arbeitsgruppen erstellen. Als Politiker sollte er aber den Prozess leiten und moderieren. Jetzt besteht die Gefahr, dass die gut vernetzten Platzhirsche das Terrain erobern werden und den Kuchen in ihrem Sinne verteilen. Die für das Land so wichtigen und besonderen kulturellen Institutionen in den Regionen werden dabei verlieren.

 

Pro:

Christoph Matschie legt diesem Leitbild einen – wenn auch zaghaft –moderneren Kulturbegriff zugrunde als seine Vorgänger. Er sucht den Dialog auf breiter Basis – auch wenn die Ergebnisse dieses Dialogs (noch) nicht erkennbar in seine Politik eingeflossen sind. Wenn man sich vorstellt, dass bei einem anderem Wahlausgang und weniger Widerstand ein Dr. Peter Krause das Amt innehätte, wird auch klar, dass die Abwesenheit von allzu klaren kulturpolitischen Vorstellungen ihre Vorzüge hat: In einem so schwierigen Haus wie dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur kann nur ein Mensch erfolgreich agieren, der breit und transparent kommunizieren will. Das zumindest ist nicht selbstverständlich. Außerdem hat mit dem Kultusminister Matschie das Ressort an Bedeutung gewonnen. Matschie hat als stellv. Ministerpräsident Einfluss, er arbeitet eng und kooperativ mit der Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht zusammen. Wenn er etwas durchsetzen will, hat er in dieser Position gute Voraussetzungen dafür.

Außerdem ist das Amt eines Kultus- und Bildungsministers wohl eines der undankbarsten. Es wird immer mit viel Kritik, nie mit Lob versehen. Wie im Fußball fühlen sich alle als die besseren Trainer (auch wenn sie nur vorm Bildschirm sitzen). Keine leichte Ausgangsposition.

 Und die anderen?

Die Linke, B90/Grüne und die Kulturinitiative Thüringen fordern ein Thüringer Kulturfördergesetz, in dem Zuschüsse für kulturelle Institutionen festgeschrieben werden sollen (und nicht, wie bisher, haushaltsabhängig sind). Das klingt nach Sicherheit und Stabilität, aber es erweist sich als nicht realisierbar – sogar als hinderlich. Denn wenn man Politik als „Ermöglicherin nach Gegebenheiten“ versteht, sollte man mit dem Ruf nach Gesetzen sehr vorsichtig sein. Die Schwierigkeiten beginnen sofort: Wer entscheidet darüber und nach welchen Kriterien? Wenn Fördergelder fest geschrieben werden, verlieren Staat und Gesellschaft die Möglichkeit, flexibel zu agieren. Spielraum für Neues geht verloren. Es macht Sinn, dass sich die Institutionen auch bewähren müssen.

Ein Gesetz müsste zudem die großen „Säulen“ explizit unter Schutz stellen, die Welterbestätten. Aber gerade diese bedürfen weniger der staatlichen Unterstützung, als andere, weil sie national und international gut vernetzt sind. Schutz und Unterstützung von Land und Kommunen brauchen andere weit mehr: die kleinen und mittleren Museen in der Fläche, die Kulturinitiativen, zarten Subkulturpflanzen und kreativen Impulse in den Regionen mit schwacher Infrastruktur. Außerdem ist nicht geklärt, ob die Bürgerinnen und Bürger im Zweifelsfall tatsächlich lieber ein Theater oder Orchester finanzieren, als ihre Museen oder Bibliotheken.

 Schlussbemerkung: Eine lebendige Kultur im Sinn einer „Civilisation“ funktioniert nur, wenn die Bürgerinnen und Bürger sich breit kulturell engagieren und interessieren. Kulturelle Bildung und die Vermittlung ihrer Bedeutung beginnt in jeder Familie: Im Gespräch über das, was Menschen umtreibt. Mit jedem Buch, das gelesen wird, mit jedem Kinobesuch und jeder wohlwollenden Förderung des individuellen Ausdrucks.

Welche der kulturellen Institutionen in Thüringen die Kämpfe der nächsten Jahre überleben, welche vergehen oder neu entstehen, ist unbestimmt.

Sicher ist: Wofür sich die Bürgerinnen und Bürger nicht einsetzen, dafür werden auch Politikerinnen und Politiker nicht kämpfen. Es wird noch stärker als bisher vom Einfallsreichtum, der Kreativität, Offenheit und dem Engagement aller abhängen, eine möglichst breite kulturelle Basis in Thüringen zu erhalten. 

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