Ein Bericht über die Situation der Landwirtschaft in Syrien

Ein Bericht über die Situation der Landwirtschaft in Syrien

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Die Situation der Landwirtschaft in Syrien vor dem Krieg

Mehr als ein Drittel der syrischen Fläche, ungefähr 6,5 Millionen Hektar, war landwirtschaftliche Fläche, auf der angebaut wurde. 20% der syrischen Bevölkerung hat in diesem Bereich gearbeitet.
In Syrien werden vielfaltige Nutzpflanzen angebaut: Die wichtigsten Nutzpflanzen sind Getreide, Baumwolle, Gemüse, verschiedene Arten von Zitruspflanzen, Olivenbäume und Pistazien.
Die größte Schwierigkeit für syrische Bauern bestand vor dem Krieg im Wassermangel, denn aufgrund des Klimawandels sinkt die jährliche Niederschlagsmenge ständig.

Die größten Hindernisse der Landwirtschaft seit Beginn des Krieges 2011:

  • Der Mangel und die Verteuerung von Düngemitteln und Pestiziden: Dadurch stiegen die Kosten für den Anbau derart, dass sie durch die Einnahmen beim Verkauf der Produkte nicht mehr gedeckt werden können. Viele Bauern haben daher aufgehört, selbst anzubauen.
  • Eine unzureichende Stromversorgung: Für die Bewässerung der Pflanzen verwenden die Bauern Pumpen zur Nutzung des Grundwassers, die wiederum Strom benötigen. Wenn jedoch wiederholt für mehrere Wochen die Stromversorgung unterbrochen ist, gehen die Pflanzen ein.
  • Der Mangel und die Verteuerung von Brennstoffen: In Folge des unregelmäßig vorhandenen Stroms haben die Bauern für die Ausfälle Generatoren angeschafft. Da Brennstoffe jedoch ebenfalls nur eingeschränkt verfügbar sind und zudem sehr teuer, stellen die Generatoren keine ständige Lösung dar und verursachen zudem zusätzliche Kosten.
  • Die Schwierigkeit des Vertriebs der Ernten: Die Bewegung zwischen den Dörfern und Städten ist sehr unsicher und gefährlich. Deswegen bevorzugt ein großer Teil der Bauern den Verkauf der Ernte im eigenen Dorf. Folglich sinken die Preise in den Dörfern und steigen in den großen Städten. Zudem erschweren Kontrollpunkte die Lieferung der Produkte, da an ihnen in der Regel die Ware ausgeladen werden muss und somit lange Fahrt- und Wartezeiten verursachen.
  • Mangel an landwirtschaftlichen Maschinen: Durch den Krieg ist der Wert der syrischen Währung gesunken. Die Preise für Ersatzteile und demzufolge von Reparaturen sind daraufhin gestiegen. Zudem verstärkt sich der Mangel an Ersatzteilen. Die Bauern können sich die Reparatur defekter Maschinen aufgrund der hohen Kosten nicht leisten. Zudem sind durch den Krieg zahlreiche landwirtschaftliche Maschinen zerstört.
  • Klimawandel: Der Klimawandel spielt eine immer größere Rolle im Bereich der Landwirtschaft und der Einfluss ist in den letzten Jahren insofern deutlicher geworden, als dass immer mehr Agrarflächen nicht mehr nutzbar sind oder nur unter sehr großen Anstrengungen.

Eine Umfrage unter syrischen Landwirten zeigt, dass die Landwirtschaft trotz enormer Zerstörungen in Gang kommen sollte:

Der neue FAO-Bericht enthält eine erste landesweite Bewertung der Auswirkungen des Krieges auf die Landwirtschaft. Der Konflikt in Syrien hat, zusätzlich zu dem schweren menschlichen Leid, mehr als 16 Milliarden Dollar an Ernte- und Viehproduktion verursacht und landwirtschaftliche Güter zerstört.
3. April 2017, Rom - Die Kämpfe in Syrien haben der Landwirtschaft enormen Schaden und Verluste zugefügt, aber der Sektor kann und sollte jetzt angekurbelt werden, was den Bedarf an humanitärer Hilfe und Migration dramatisch reduzieren würde. Dies geht aus einem neuen FAO-Bericht hervor, einer internationalen Konferenz über die Zukunft Syriens in Brüssel.
Der Bericht "Counting the Cost: Agriculture in Syria" nach sechs Krisenjahren präsentiert die erste umfassende landesweite Einschätzung der Kriegsschäden im Agrarsektor. Die Bewertung umfasste Erhebungen von mehr als 3 500 Haushalten in ganz Syrien, Interviews mit mehr als 380 Bevölkerungsgruppen und die Analyse von primären und sekundären landwirtschaftlichen Daten.
"Die Umfrage zeigt, dass die Landwirtschaft inmitten von Konflikten eine Lebensader für Millionen von Syrern ist, einschließlich Binnenvertriebenen, die noch in ländlichen Gebieten leben", sagte José Graziano da Silva, Generaldirektor der FAO.
"Eine Erhöhung der Investitionen in die Erholung des Agrarsektors könnte den Bedarf an humanitärer Hilfe dramatisch reduzieren. Dies könnte auch erhebliche Auswirkungen auf die Eindämmung der Migrationsströme haben", fügte er hinzu.
Die Unterstützung der Landwirtschaft wirkt sich auf die Migrationsströme aus
Rund 95 Prozent der befragten Gemeinden waren der Meinung, dass, wenn sie selbst mit elementarer landwirtschaftlicher Unterstützung wie Saatgut, Dünger und Treibstoff für die Bewässerung von Bewässerungspumpen unterstützt würden, die Zahl der Menschen, die ländliche Gebiete verlassen würden, sinken würde.

Weitere wichtige Erkenntnisse sind:

  • Mehr als 75% der Haushalte in ländlichen Gebieten produzieren immer noch Nahrungsmittel für ihren eigenen Verbrauch, auch wenn dies in einem sehr geringen Umfang geschieht.
  • Etwa 60% der Haushalte berichteten, dass ein Mangel an Düngemitteln eine kritische Produktionsbeschränkung für Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste und Hülsenfrüchte darstellt. Ein Mangel an Treibstoff, Ausbrüche von Schädlingen und Krankheiten sowie die Zerstörung von Bewässerungssystemen und Wasserstellen für Vieh wurden ebenfalls als wichtige Einschränkungen aufgeführt.
  • Seit 2011 ist der Viehbestand von Nutztieren stark zurückgegangen, bei Rindern um 57%, bei Schafen um 52%, bei Ziegen um 48% und bei Geflügel um 47%.
  • Der Anteil des Einkommens, der für Nahrungsmittel ausgegeben wird, ist gestiegen, da die Einkommen und die Nahrungsmittelproduktion der Haushalte gesunken sind, während die Nahrungsmittelpreise dramatisch angestiegen sind. Vor der Krise haben rund 25% der Haushalte mehr als die Hälfte ihres Jahreseinkommens für Lebensmittel ausgeben; Zum Zeitpunkt der Umfrage im September 2016 gaben 90% der Haushalte mehr als die Hälfte ihres Jahreseinkommens für Nahrungsmittel aus.
  • Im Jahr 2016 lebte noch immer weniger als die Hälfte der Bevölkerung in ländlichen Gebieten.

Pflanzenproduktion und Viehhaltung leiden unter großen Verlusten:

Von der Gesamtschadenssumme der 16 Milliarden Dollar werden die Kosten für Sachschäden, wie Traktoren, Maschinen, kommerzielle Farmen, Tierkliniken, Tierställe, Gewächshäuser, Bewässerungssysteme und Verarbeitungsanlagen auf über 3 Milliarden Dollar geschätzt, obwohl diese Zahl wahrscheinlich deutlich höher wäre, wenn das Ausmaß der Schäden in den Hauptkonfliktgebieten besser beurteilt werden könnte.
Rund 6,3 Milliarden Dollar der Schadenssumme entfallen auf Schäden und Verluste im Pflanzenanbau. In der Tierhaltung wurden Schäden und Verluste von rund 5,5 Milliarden Dollar berechnet, und im Fischereisektor beläuft sich die Schätzung auf fast 80 Millionen Dollar.
Ein anderer Bericht von FAO zeigt, dass die syrischen Wälder aufgrund des Kriegs ständig erschöpft sind. Die Flächen der Wälder in der Tartus und Latakia  Provinzen sinken durch Abholzungen und Bränden beständig.

Neustart der Nahrungsmittelproduktion:

Die anfänglichen Kosten für den Wiederaufbau des Landwirtschaftssektors über einen Zeitraum von drei Jahren werden auf insgesamt 10,7 bis 17,1 Milliarden US-Dollar geschätzt. Dies ist vom weiteren Verlauf des Konflikts abhängig und davon, ob eine teilweise oder eine vollständige Rückkehr zum Frieden möglich ist.
Trotz des Potenzials der Landwirtschaft, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und Zugangsbeschränkungen zu erhöhen, wurde nur sehr wenig investiert, um den Lebensunterhalt in der Landwirtschaft während des Konflikts zu sichern und zu schützen und die Erholung des Sektors zu unterstützen.
Wenn produktive landwirtschaftliche Gebiete weiterhin vernachlässigt werden, werden mehr Menschen gezwungen sein, ländliche Gebiete zu verlassen.

Ein Bericht von Hussam Al-Bakeer

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    Von Hussam Al Bakeer

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