Unser Plan für eine bessere Welt? Nachhaltigkeitsziele (SDGs) auf dem Prüfstand

Unser Plan für eine bessere Welt? Nachhaltigkeitsziele (SDGs) auf dem Prüfstand

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Kunstworkshop: Wie sieht (m)eine gerechte Welt aus?

Zusammen mit Mara G., der FSJlerin der IMAGO Jugendkunstschule e.V., konzipierte die FSJlerin der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. Anna-Luise P. den Kunstworkshop „Wie sieht (m)eine gerechte Welt aus? - Eine künstlerische und politische Auseinandersetzung mit globaler und regionaler Gerechtigkeit“. Der Workshop fand an vier aufeinanderfolgenden Freitagabenden im Mai 2018 in den Ateliers des IMAGO Jugendkunstschule e.V. statt und wurde von 15 Teilnehmenden besucht. Die Gruppe der Teilnehmenden war sehr heterogen, sie bestand aus Abiturientinnen, Freiwilligendienstleistenden, Studentinnen und Berufstätigen. Mara übernahm die künstlerische Leitung und Anna-Luise die Leitung der thematischen Einführung. Am ersten Workshop-Abend befassten sich die Teilnehmenden mit der Frage: „Wo sind mir heute/ letzte Woche Fragen von Gerechtigkeit begegnet?“. Themen wie Plasteverpackungen von Lebensmitteln, Konsum, Flucht und Möglichkeiten der Selbstverwirklichung wurden angesprochen.

Anschließend wurden die Fragen „Wie sieht meine gerechte Welt aus? Was sind mir persönlich wichtige Aspekte von Gerechtigkeit? Was kann ich mir vorstellen künstlerisch umzusetzen?“ in den Raum gestellt. Auch hier wurden viele verschiedene Themenschwerpunkte angesprochen. Die Antworten wurden schriftlich in Worten oder bereits in Form von Skizzen beantwortet. Dann begann die künstlerische Umsetzung der Ideen. Vielfältige Materialien standen zur Verfügung. An den folgenden Terminen wurde weiter an den Kunstwerken gearbeitet. Letztendlich wurden zehn Arbeiten fertig gestellt.

Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion: Unser Plan für eine bessere Welt? - Globale Nachhaltigkeitsziele (SDGs) auf dem Prüfstand

Am 14.06.2018 wurde die Ausstellung der im Workshop entstandenen Bilder im Café und Veranstaltungsort für alternative Kultur Franz Mehlhose in Erfurt eröffnet. Nach einem musikalischen Einstieg mit Elise Z., der Begrüßung des Moderators Tim Strähnz (Netzwerk- und Projektkoordinator Eine Welt Netzwerk Thüringen e.V.) des Publikums, einem Bericht der Initiatorinnen des Projekts und einer Vorstellung des Workshops, fand die Überleitung vom Workshop zu den Zielen für globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, den Sustainable Development Goals (SDGs), statt. Nicole Clement (Vorstandmitglied Deutsch-Afrikanische Gesellschaft e.V., Projektmanagerin Freunde Liberias e.V.) informierte in einem zehnminütigen Vortrag einführend über die Ziele: Es geht um die Transformation unserer Welt. Am 25.09.2015 wurden sie auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in New York von den Vereinten Nationen verabschiedet. Die SDGs beziehen sich auf alle Staaten. Die Ziele verbinden die soziale, ökologische und ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit. Starke regionale und lokale Dimensionen werden ebenfalls mit einbezogen. Die Wahrnehmung der Verantwortlichkeiten der SDGs durch die einzelnen Länder beeinflusst viel in der Umsetzung. Die Implementierung der SDGs in deutschen Institutionen ist bisher sehr unterschiedlich verlaufen und noch nicht abgeschlossen.

Im Anschluss wurde die Podiumsdiskussion mit Nicole Clement, Laura Wahl (Landessprecherin Grüne Jugend Thüringen) und Ralf Elsässer (Ansprechpartner RENN.mitte Sachsen) eröffnet. Anfangs gab jede*r der Podiumsgäste ein kurze Einschätzung dazu ab, ob ihrer/seiner Meinung nach, die SDGs der richtige Plan für eine bessere Welt sind.  „Ich finde es total spannend und bereichernd zu wissen, dass Kommunen auf der ganzen Welt daran arbeiten, die Ziele umzusetzen und auch Erfurt seinen Teil dazu beitragen kann für eine besser Welt zu streiten“ sagte Laura Wahl.  Ralf Elsässer antwortete auf die Frage: „Ich sehe in den SDGs eine Etappe auf einem sehr langen Weg. Sie sind ein hilfreiches Instrument, um Anforderungen der nachhaltigen Entwicklung ein Stück weit politikfähiger zu machen (auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene). Als wir in den 80er Jahre angefangen haben uns für Umweltschutz zu engagieren, war es nicht vorstellbar, dass unsere großen Ziele tatsächlich erreichbar sind. Trotzdem haben wir einfach etwas gemacht. Die SDGs sind also eine Chance, nächste Schritte zu gehen. Wo wir dann landen, werden wir sehen, wenn es soweit ist.“

Es wurde über den Stand der Umsetzung der SDGs in Thüringen, Deutschland und weltweit diskutiert. Deutlich wurde, dass die SDGs durchaus auch zu hinterfragen sind. Es wurde Kritik an der Fokussierung der SDGs auf Wachstum und Eurozentrismus geäußert. Die vorhergehenden Millenniumsziele (MDGs) waren laut Nicole Clement so konzipiert, „dass der globale Norden handelt und der globale Süden empfängt.“ Bei den darauf folgenden SDGs wird allen Ländern gleichermaßen die Umsetzung der SDGs nahe gelegt. „Allerdings hat sich in der Praxis nicht viel verändert“, sagt Nicole Clement. Es herrscht weiterhin eine sehr eurozentristische Sicht vor. Kritische Stimmen im globalen Süden werden laut. „Wenn es gelingen soll, müssen alle mit ins Boot geholt werden.“, so Nicole Clement. Laura Wahl betonte, dass ihrer Ansicht nach die soziale Dimension stark im Vordergrund steht. Sie verwies auf das Vorrang-Modell der Nachhaltigkeit: „Alle Ziele sind wichtig und hängen zusammen, alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit müssen berücksichtigt werden. Aber wahrscheinlich muss der Umweltschutz letztendlich Vorrang haben, da eine Gesellschaft ohne Umwelt nicht möglich ist. Wenn die Klimakrise zunimmt, werden die anderen Ziele auch nicht mehr umsetzbar sein. Auch wenn es hart ist, dass so zu sagen.“

Dennoch sind die SDGs ein Anfang und eine Chance, um den aktuellen globalen Missständen entgegenzuwirken. Auf die Abschlussfrage „Was ist denn nun Dein Plan für eine bessere Welt?“ antwortete Ralf Elsässer, dass es für ihn besonders relevant ist, junge Menschen zu ermutigen, sich zu engagieren: „Wer schon engagiert ist, soll immer wieder nach Hoffnungspunkten suchen und sich gegenseitig stärken weiterzumachen. Wer nicht weiß in welchen Zusammenhang er/sie sich engagieren soll, kann auf die Karte „Thüringen nachhaltig“ (https://www.nhz-th.de/kommunale-nachhaltigkeit/karte-thueringen-nachhaltig/karte/) von Zukunftsfähiges Thüringen e.V. schauen. Dort sind viele Initiativen eingetragen und man findet etwas, wo man mit einsteigen kann. Wir können nur etwas verändern, wenn wir etwas tun, und nicht darauf warten, dass es für uns jemand macht.“

Gemeinsam wollen wir also Schritt für Schritt vorangehen – so die abschließenden Worte der Podiumsgäste. Nach der anderthalbstündigen Diskussion, zahlreichen interessierten Fragen aus dem Publikum und einer Danksagung blieb noch Zeit etwas zu verweilen, sich die Kunstwerke anzuschauen und mit einem Glas Sekt und/oder Saft anzustoßen.

Hier findet Ihr ein Interview zur Veranstaltung,

und hier den Mitschnitt der Podiumsdiskussion zum Nachhören.

Das Projekt war eine Kooperation der  Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. mit der IMAGO Kunst- und Designschule e.V. und dem Eine Welt Netzwerk Thüringen e.V.

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