Grüße aus Fukushima

Grüße aus Fukushima


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70% der japanischen Bevölkerung gaben bei Befragung an, sie wollen keine Atomkraft mehr.
Takashi Kunimoto

Bei der Reaktorkatastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima Daiichi vom 11. März 2011 kam es zu einer dreifachen Kernschmelze. Dabei wurden große Mengen an radioaktivem Material – unter anderem etwas mehr als das Doppelte der Xenon-133 und ca. 42% der Cäsium-133-Emissionen von Tschernobyl freigesetzt. Nach einem IPPNW-Bericht zu den gesundheitlichen Folgen der Reaktor-Katastrophe sind in Japan im Laufe der nächsten Jahrzehnte zwischen knapp 10.000 bis zu etwa 66.000 zusätzlichen Krebsfällen zu erwarten, ca. die Hälfte davon mit tödlichem Verlauf. Hinzu kommen tiefgreifende psychosoziale und ökologische Folgen.

Wir nahmen den  Jahrestag von Fukushima zum Anlass, um an den Atomunfall und seine Folgen zu erinnern.

Im Gespräch

In Fukushima starb keine Person an den direkten Folgen der Strahlung, doch die psychosozialen Aspekte wie Umsiedlung, Heimatverlust und Entfremdung kosteten fast 3500 Menschen ihr Leben.
Dr. Florian Gering

Fotogalerie Weimar&Ilmenau

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Rückblick - Was ist geschehen?

Die japanische Regierung beendete die Unterstützung für Betroffene und plant die Rücksiedlung in Gebiete um Fukushima. Für die junge Bevölkerung eine ausweglose Situation, da entweder Perspektivlosigkeit oder Armut auf sie zukommt.

An jedem Jahrestag der Reaktorkatastrophe Fukushima wird erneut deutlich, welche unsagbaren Risiken Atomkraft birgt. Die Situation in Japan bezüglich Fukushima Daiichi ist intransparent. Herr Takashi Kunimoto (Filmemacher und Soziologe) verdeutlichte: „die Menschen dekontaminieren ihre Umgebung selbst.“ Die Lage im Kraftwerk ist instabil, wobei das eigentliche Ausmaß und die Reichweite der Kontaminierung von staatlichen wie medialen Instrumenten nicht thematisiert werden. „Die Technik ist nicht unter Kontrolle, die Medien dafür umso mehr“, fasste Herr Kunimoto die Situation zusammen.

Ausgangsunkt der Diskussionen war die Filmpräsentation von „Grüße aus Fukushima“. Der Film von Dörris Dörrie verarbeitet den Heimatverlust von Satomi (Kaori Momoi), die trotz aller Warnungen auf eigene Faust in ihr Haus in der Sperrzone zurückkehren will. Dabei trifft sie auf die junge Deutsche Marie (Rosalie Thomass), die mit der Organisation Clowns4Help nach Fukushima reiste, um den  betroffenen Menschen zu helfen. Die psychosozialen Auswirkungen sind gravierend und der japanische Staat hat Anfang März (Quelle: Greenpeace) seine finanzielle Unterstützung für diese Menschen eingestellt und sie damit in eine aussichtslose Situation gebracht.

Wir stellten uns die Fragen: Welche Veränderungen auf ökologischer, sozialer und gesellschaftlicher Ebene hat die Reaktorkatastrophe ausgelöst? Welche Verluste in Bezug auf Heimat und Identität haben die Menschen in der Region Fukushima erlitten und welche Auswirkungen hätte es für Deutschland, wenn so eine Katastrophe bei uns passieren würde? Diese Fragen und der sechste Jahrestag von Fukushima gaben den Anlass, Herrn Takashi Kunimoto (Filmemacher und Soziologe) nach Weimar in das Kulturkino Kino mon ami einzuladen. Durch aktuelle Fotos und eine jüngst absolvierte Japanreise war es Herrn Konimoto möglich, detaillierte Einblicke in die gesellschaftlichen Situation sowie aktuelle Informationen über den Zustand des Kernkraftwerkes in Fukushima Daiichi zu geben.

Am 11. April 2017 durften wir dann Herrn Dr. Florian Gering (Physiker u. Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz) und Herrn Felix Schmigalle (Klimamanager des Ilm-Kreises) an der TU Ilmenau begrüßen. Herr Schmigalle stellte die lokale Initiative des Ilm-Kreises für nachhaltige Energie vor und Herr Dr. Gering die ökologischen Folgen und gab einen Überblick, inwiefern Deutschland auf ein ähnliches Szenario vorbereitet wäre. Ausführliche Informationen dazu, hier.

 

Was Sie sich ansehen sollten?

Der Unfall von Fukushima Daiichi ändert die Debatten um Atomenergie in Japan, Asien und der Welt. Doch wie hat sich die Katastrophe konkret auf das Leben der Menschen in Fukushima ausgewirkt? Koiche Koike und Akiko Yoshida sprechen über das Leben vor Ort, ein Jahr nach dem Unfall.